Naturnahe Moralvorstellungen
Ich bin gegen Atomkraft – um das erst einmal vorweg zu nehmen. Die Aneinanderreihung der Katastrophen in Japan ist ohne Frage eine große Tragödie. Aber dabei erschreckt mich auch, wie dieses Elend gerade genutzt wird, um in Deutschland der Anti-Atombewegung einen neuen Aufschwung zu verleihen. Fast schon süffisant, so kommt es mir zumindest manchmal vor, wird dieses Unglück (beispielsweise von Jürgen Trittin bei Anne Will) instrumentalisiert, um sagen zu können: “HA, wir haben es schon immer gewusst – diese Technik ist nicht beherrschbar!”
Ehrlich gesagt, war das auch einer meiner ersten Gedanken: “Nun wird die Atomlaufzeit neu verhandelt werden müssen, nun werden mehr Menschen auf die Straße gehen, um gegen Atomkraft zu demonstrieren – diese Technik ist nicht beherrschbar, oh Gott es werden noch mehr Windräder gebaut…” Ich habe mich wegen dieser Gedanken geschämt, denn sollte man sich nicht als Erstes fragen: “Was ist mit den Menschen in Japan?”
Natürlich denke ich auch, dass die Menschheit aus diesen Katastrophen lernen MUSS, um neues Unglück zu verhindern. Aber irgendwie habe ich ein mulmiges Gefühl bei all diesem Aktionismus im Moment, denn es ist doch eigentlich nicht der richtige Zeitpunkt angesichts der Tragödie in Japan und es kommt mir auch unmoralisch vor, selbiges für den Wahlkampf zu nutzen. Gleichzeitig verstehe ich, dass man die “Gunst der Stunde” nutzen will, das Ruder rumzureißen, so lange Fukushima in den Köpfen der Menschen ist.
Dabei sollte jedoch mit Verstand gehandelt werden! Denn wo sind denn wirklich die Alternativen? Schnell wird nach mehr Windkraft, Solarenergie und Biomasse gerufen, damit lässt sich ja auch wunderbar Geld verdienen und gleichzeitig ein gutes Gewissen schaffen - keine atomare Verseuchung, kein CO2 (?).
Die Revitalisierung von Mooren hingegen, die als einzige Ökosysteme, alle klimarelevanten Gase (nicht nur CO2) dauerhaft in sich speichern könnten, ist dagegen weniger populär. Im Gegenteil, sie werden weiterhin großflächig entwässert und setzen dabei fleißig CO2, Methan & co frei. Das Bundesland Brandenburg hat das ehrgeizige Ziel, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken und die Erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent am Energiemix zu steigern. Das Wort Moor kommt in dieser “Energiestrategie 2020” natürlich nicht vor. Es geht ja dabei auch eher um den Standort Brandenburg, um Entwicklung, neue Technologien, CO2-Verpressung und nicht um Umwelt- geschweige denn Naturschutz.
Ich befürchte ganz einfach, dass es nun noch mehr Windfelder geben wird, die ja mittlerweile direkt neben Vogelschutzgebieten oder in Wäldern gebaut werden. Es wird sogar Wald gerodet, um Windparks bauen zu können! Alles hat Auswirkungen und es ist nicht immer klimaneutral oder umweltfreundlich, was als “Öko” verkauft wird, das Debakel um E10 würde dabei den Rahmen an dieser Stelle sprengen.
Auch Energieeffizienz ist wenig attraktiv und erst recht Energie sparen. Ich halte es jedoch für unmoralisch und schlichtweg falsch, weitere Windkrafträder zu bauen, Solarparks für 20 Jahre, bis die Förderung abläuft anzulegen, Holzkraftwerke zu bauen, bis es keine Bäume mehr über 100 Jahre gibt und all die Tiere und Pflanzen, die mit einem naturnahen Wald verknüpft sind, bevor nicht die echten Alternativen ausgeschöpft sind. Nur wie lässt sich mit intakten Mooren, Energieeffizienz und Sparsamkeit Geld verdienen?
Bei allen derzeitigen politischen Versprechungen, wunderbaren Potentialrechnungen, CO2-Bilanzen und Preisungen der Technik sollte man genau hinsehen, was dabei wirklich grün ist!

