So sieht also NATURA 2000 aus?!
Oder: Anleitung zum “Wegackern” von Kleingewässern…
Jeder Mitgliedstaat der EU verpflichtet sich, zur Erhaltung der Biodiversität, auf seinem Hoheitsgebiet bestimmte Schutzgebiete in das europäische Schutzgebietssystem “Natura 2000″ einzugliedern: “Es wird ein kohärentes europäisches ökologisches Netz besonderer Schutzgebiete mit der Bezeichnung “NATURA 2000″ errichtet. Dieses Netz besteht aus Gebieten, die die natürlichen Lebensraumtypen des Anhangs I sowie die Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes dieser natürlichen Lebensraumtypen und Habitate der Arten in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet gewährleisten (Artikel 3 der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie).”
Brandenburg hat 620 solcher FFH-Gebiete mit einer Fläche von 333.138 ha, was 11.3 Prozent der Landesfläche entspricht. Mecklenburg-Vorpommern hat zwar nur 235 FFH-Gebiete, aber dafür mit einer Fläche von 573.400 ha, was sogar 18.5 Prozent der Landesfläche entspricht. Na – ist das nicht schön? So viel Natur auf einmal? Na klar, wenn man Agrarsteppe, Kiefernforst und Kuhweiden als Natur ansieht. Ich gebe zu, es war wirklich SEHR naiv von mir zu glauben, dass FFH-Gebiete etwas besonderes sind und zum Teil gibt es darin auch kleine Inseln mit naturnahem Wald, Mooren, artenreiche Feuchtwiesen oder natürlichen Gewässern. Und außerdem hat die Kulturlandschaft, wie sie nun einmal in Mitteleuropa geschaffen wurde, auch ihre Reize und kann eine große Artenvielfalt hervorbringen. Will sagen – ich bin nun wirklich ein Freund unserer Landschaft mit ihren Weiden, Wiesen, Äckern und Hecken.
Aber oft verschlägt es mir den Atem, wenn ich an die kleinen (Natur-) Inseln auf den riesigen Ackerschlägen herantrete. Entweder ist von einem ehemaligen Ackersoll (=Kleingewässer als Überbleibsel der letzten Weichselvereisung) nur noch eine Brennesselfur übrig geblieben oder es wird noch aktiv daran gearbeitet, dieses Kleinod der Natur “wegzuackern”. Dafür wirtschaftet man am besten bis zur Böschungskante heran, möglichst so, dass viel Material ins Gewässer fällt, die Eutrophierung tut dann schon ihr Übriges. Bis man dann in einpaar Jahren einen schönen, sauberen, ebenen Ackerschlag ohne störende Kleingewässer hat.
Es gibt natürlich auch schöne Beispiele in dem FFH-Gebiet Krohnhorst in Brandenburg und Hinrichshagen in Mecklenburg-Vorpommern, zum Beispiel Kleingewässer in naturnahem Wald mit Wasserschlauch, aber das habe ich bisher nur selten sehen können. So sieht also NATURA 2000 bei uns aus! Da will ich mich nicht mehr über Aserbaidschan beschweren, wo auch mal ein Einkaufszentrum in ein Important Bird Area gebaut wird. Das können wir besser…
