Stromtrassen fördern die Artenvielfalt
Wir Naturfans wussten es schon lange, die Stromtrassen sind wahre Naturparadiese in der märkischen Kiefernforst-Einöde. Denn diese schnurgeraden und eigentlich nicht sehr schönen Lebensadern beherbegen eine interessante Tier- und Pflanzenwelt. Unter dem Titel “Eine Leitung fürs Leben” hat sich nun auch Die Zeit diesem Thema gewidmet. Die Hochspannungstrassen mögen aus menschlicher Sicht störend wirken, sie passen einfach nicht ins Bild einer Naturidylle, aber den Tieren und Pflanzen ist dieser ästhetische Aspekt relativ schnuppe. (Na gut, abgesehen von den Vögeln, die mit den Stromleitungen kollidieren und an Stromschlägen verenden, aber irgendwas ist ja immer.) Die Stromkonzerne bzw., die in ihrem Namen beauftragen Natur- oder Forstbehörden erhalten dennoch durch die ständige Freihaltung Lebensräume für Baumpieper, Heidelerche und Ziegenmelker. Und in Ermangelung großer freistehender Bäume hat sich der Fischadler an die Strommasten als Nistplatz gewöhnt, vielerorts unterstützt durch grobmaschige Körbe aus Stahl oder Eisen auf den Querträgern. Ähnlich dem “grünem Band” der ehemaligen innerdeutschen Grenze haben sich diese Flächen in unserer weitestgehend überdüngten Landschaft sehr speziell entwickeln können und erhalten somit an Nährstoffarmut angepasste, selten gewordene Arten. Rentierflechten, Silbergras, Heidekraut, Zypressenwolfsmilch, Pillensegge und Wacholder wachsen auf den sandigen Dünen und bieten widerum, an gehölzarme Offenlandstrukturen angepassten Insekten wie Feldgrille, Blauflügelige Ödlandschrecke und Spinnen wie der Röhrenspinne einen Lebensraum.