FF-vita Blog

Landschaftsnutzung und Naturschutz

Tag: Feuchtgebiete

Naturnaher Wald

Wald ist in unserer Kulturlandschaft auf kleine Inseln zusammen geschrumpft und steht unter einem enormen Nutzungsdruck.  Einschichtige Monokulturen aus Kiefern bestimmen das Waldbild in Brandenburg und es gibt nur wenige Ausnahmen mit naturnahen Eichen-, Buchen-, Erlen- oder Erlen-Eschenwäldern auf Standorten, die für den Menschen eher schwierig zu nutzen sind oder waren. Nicht zuletzt wegen der Nutzung als Biomasse ist sehr unwahrscheinlich geworden, dass unsere Nachfahren einmal “1000-jährige Eichen” oder allgemein Naturwald werden bewundern können.

Bäume dürfen nicht einmal in Naturschutzgebieten ihr natürliches Alter erreichen und als mächtiger, stehender oder liegender Stamm neues Leben bergen. Wenn auch etwas größere Feldgehölze in der Ackerlandschaft mit mehr als einem Hektar schon als Wald definiert werden und eine wichtige Funktion als Biotop erfüllen, so sind die doch kaum naturnah bzw. typisch ausgebildet. Als willkommener Wildeinstand von Reh und Wildschwein genutzt, gibt es praktisch keine Naturverjüngung und die Krautschicht wird durch den Nährstoffeintrag von Brennnessel und Wiesenkerbel beherrscht.

Um so mehr habe ich mich gestern im FFH-Gebiet “Randowtal bei Grünz und Schwarze Berge“  über einen relativ naturnahen Erlen-Eschenwald mit typisch ausgeprägter Krautschicht gefreut. Obwohl dieses Gebiet eher wegen seine Kalkmagerrasen interessant ist und Wald eine untergeordnete Rolle spielt, musste ich mir diesen schmalen Streifen an einem Seitentälchen der Randow doch einmal näher ansehen. Ja – die Eschen sind aufgrund des Eschen-Triebsterbens abgängig oder bereits abgestorben, aber ich denke, dass sie den Pilz letzlich überwinden werden. Ich glaube, wenn Ökosysteme noch halbwegs funktionieren, werden neue Bäume wachsen und sie werden Krankheiten und “Schädlinge” auf lange Sicht überleben. Aber abgesehen von dem vielen Totholz, dass auf diese Weise entstanden ist, habe ich mich hier an einer wunderbar natürlichen, artenreichen Bodenvegetation erfreuen können: Giersch, Einbeere, Vielblütige Weißwurz, Sumpf-Dotterblume, Scharbockskraut, Bingelkraut, Lungenkraut, Gelbes und Weißes Buschwindröschen und an den sickerfeuchten Stellen Sumpfsegge.

Krötenwanderung und blaue Moorfrösche

Wer sich für Amphibien interessiert kommt zurzeit so richtig auf seine Kosten. Eigentlich wollte ich ja auf den großen Ackerflächen bei Gerswalde hören oder sehen, ob sich dort mein Verdacht des Vorkommens der Knoblauchkröte bestätigt. Aber es war einfach nichts zu wollen mit dieser Kröte, vielleicht war es doch noch etwas zu früh oder Herr Urox und ich nicht leise genug. Aber auf jeden Fall sind gerade Erdkröten auf dem Weg zu ihrem Laichgewässer und blaue Moorfroschmännchen blubbern in den Tümpeln, um Weibchen zu beeindrucken. Sieht schon irgendwie niedlich aus, wenn überall so blaue Froschköpfe aus dem Wasser lucken. Leider kam ich zum Fotografieren dieses Phänomens nicht nah genug heran, denn die Gummistiefel lagen vorsorglich im Auto…

Naja aber im Wald kann man ja auch trockenen Fußes Frühjahrsblüher wie das Buschwindröschen oder den Goldstern bewundern. Rotkehlchen, Buchfink, Singdrossel, Feld- und Heidelerche etc. zwitschern wieder um die Wette, Zitronenfalter flattern wild durch die Gegend und verheißen den Frühling! Ja, endlich Frühling, endlich wieder angenehme Temperaturen und längere Tage, um die Zeit draußen zu verbringen.

Zum krönenden Abschluss habe ich noch mein Auto festgefahren, so ein Seat Cordoba ist eben doch nicht mit einem Lada Niva zu verwechseln. Da sollte man besser aufpassen, vor allem im Frühjahr. Wo letztes Jahr noch harter Lehm war, konnte ich nun den Schlamm so richtig spritzen lassen. Blöd, wenn man dann allein ist, der Herr Urox ist da überhaupt keine Hilfe und ansonsten ließen sich nur ein Eiskratzer zum “freischaufeln” und eine Hundedecke zum unterlegen finden. So eine Decke bringt übrigens bei nassem Lehm überhaupt gar nichts, die wurde einfach durchgezogen. Aber auch alle anderen Versuche trockene Materialen wie Holz, Rinde etc. unterzulegen scheiterten ebenso grandios. Zum Glück kam dann doch noch kurz vor der Dämmerung ein Jäger vorbei, der mich mit seinem Jimny rausziehen konnte. Vielen Dank noch mal an dieser Stelle an den netten, unbekannten Jäger und ich nehm alles zurück, was ich je über Fahrer eines Suzuki Jimnys gesagt oder gedacht haben sollte. ;-)

Naturnahe Moralvorstellungen

Ich bin gegen Atomkraft – um das erst einmal vorweg zu nehmen. Die Aneinanderreihung der Katastrophen in Japan ist ohne Frage eine große Tragödie. Aber dabei erschreckt mich auch, wie dieses Elend gerade genutzt wird, um in Deutschland der Anti-Atombewegung einen neuen Aufschwung zu verleihen. Fast schon süffisant, so kommt es mir zumindest manchmal vor, wird dieses Unglück (beispielsweise von Jürgen Trittin bei Anne Will) instrumentalisiert, um sagen zu können: “HA, wir haben es schon immer gewusst – diese Technik ist nicht beherrschbar!”

Ehrlich gesagt, war das auch einer meiner ersten Gedanken: “Nun wird die Atomlaufzeit neu verhandelt werden müssen, nun werden mehr Menschen auf die Straße gehen, um gegen Atomkraft zu demonstrieren – diese Technik ist nicht beherrschbar, oh Gott es werden noch mehr Windräder gebaut…” Ich habe mich wegen dieser Gedanken geschämt, denn sollte man sich nicht als Erstes fragen: “Was ist mit den Menschen in Japan?

Natürlich denke ich auch, dass die Menschheit aus diesen Katastrophen lernen MUSS, um neues Unglück zu verhindern. Aber irgendwie habe ich ein mulmiges Gefühl bei all diesem Aktionismus im Moment, denn es ist doch eigentlich nicht der richtige Zeitpunkt angesichts der Tragödie in Japan und es kommt mir auch unmoralisch vor, selbiges für den Wahlkampf zu nutzen. Gleichzeitig verstehe ich, dass man die “Gunst der Stunde” nutzen will, das Ruder rumzureißen, so lange Fukushima in den Köpfen der Menschen ist.

Dabei sollte jedoch mit Verstand gehandelt werden! Denn wo sind denn wirklich die Alternativen? Schnell wird nach mehr Windkraft, Solarenergie und Biomasse gerufen, damit lässt sich ja auch wunderbar Geld verdienen und gleichzeitig ein gutes Gewissen schaffen -  keine atomare Verseuchung, kein CO2 (?).

Die Revitalisierung von Mooren hingegen, die als einzige Ökosysteme, alle klimarelevanten Gase (nicht nur CO2) dauerhaft  in sich speichern könnten, ist dagegen weniger populär. Im Gegenteil, sie werden weiterhin großflächig entwässert und setzen dabei fleißig CO2, Methan & co frei. Das Bundesland Brandenburg hat das ehrgeizige Ziel, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken und die Erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent am Energiemix zu steigern. Das Wort Moor kommt in dieser “Energiestrategie 2020” natürlich nicht vor. Es geht ja dabei auch eher um den Standort Brandenburg, um Entwicklung, neue Technologien, CO2-Verpressung und nicht um Umwelt- geschweige denn Naturschutz.

Ich befürchte ganz einfach, dass es nun noch mehr Windfelder geben wird, die ja mittlerweile direkt neben Vogelschutzgebieten oder in Wäldern gebaut werden. Es wird sogar Wald gerodet, um Windparks bauen zu können! Alles hat Auswirkungen und es ist nicht immer klimaneutral oder umweltfreundlich, was als “Öko” verkauft wird, das Debakel um E10 würde dabei den Rahmen an dieser Stelle sprengen.

Auch Energieeffizienz ist wenig attraktiv und erst recht Energie sparen. Ich halte es jedoch für unmoralisch und schlichtweg falsch, weitere Windkrafträder zu bauen, Solarparks für 20 Jahre, bis die Förderung abläuft anzulegen, Holzkraftwerke zu bauen, bis es keine Bäume mehr über 100 Jahre gibt und all die Tiere und Pflanzen, die mit einem naturnahen Wald verknüpft sind, bevor nicht die echten Alternativen ausgeschöpft sind. Nur wie lässt sich mit intakten Mooren, Energieeffizienz und Sparsamkeit Geld verdienen?

Bei allen derzeitigen politischen Versprechungen, wunderbaren Potentialrechnungen, CO2-Bilanzen und Preisungen der Technik sollte man genau hinsehen, was dabei wirklich grün ist!

NATURA 2000

Oder: Ein Nachtrag…

Ein Sommer der Biotop- und FFH-Lebensraumkartierung liegt hinter uns und es war nicht alles schlecht. Es gab auch schöne Ecken in den FFH-Gebieten Krohnhorst in Brandenburg und Hinrichshagen in Mecklenburg-Vorpommern. Neben großen Ackerschlägen mit kleinen Söllen oder Baumgruppen als einzige Naturinseln gibt es auch noch wunderschöne Landschaften mit Wiesen, Weiden und Büschen in der Uckermark. Bei Groß Kölpin, Luisenhof und Friedenfelde erinnert die hügelige Landschaft mit ihren alten Feldsteinmauern, knöchrigen Eichen und Hecken an irländische Weidelandschaften. Und um Hohenwalde und Temmen wechseln sich die Wiesen, Weiden und Wälder mit glasklaren Seen, kleinen Dörfern und Allen ab. Es ist eine Kulturlandschaft, na klar, aber sie ist wunderschön, man muss nur genau hinschaun.

Und so richtig schön ist es natürlich im FFH-Gebiet Hinrichshagen in der Feldberger Seenlandschaft. Es besteht hauptsächlich aus naturnahem Buchenwald, mit vielen eingestreuten Erlenbrüchen, Kesselmooren und Kleingewässern. Hier gab es auch einige botanische Besonderheiten zu bewundern wie zum Beispiel den fleischfressenden, in nährstoffarmen Moorgewässern lebenden Wasserschlauch (Utricularia vulgaris, U.minor) oder den nicht minder schönen Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae).

Man muss es nur schaffen alles auszublenden, was der Mensch der Natur angetan hat, dass der Wald bei Hinrichshagen komplett mit Entwässerungsgräben durchzogen ist und die Schweinereien einer intensiven Landwirtschaft mit ihren riesigen flurbereinigten Ackerflächen. Man muss nur wieder das Positive sehen können. Zum Beispiel, dass es bereits über 100 Wiedervernässungs-maßnahmen in Hinrichshagen gegeben hat, dass es engagierte Menschen wie Peter Wernicke vom Naturpark Feldberger Seenlandschaft gibt und die FFH-Managementplanung eine Chance für die Erhaltung unserer Kultur- und Naturlandschaft sein kann.

Vogelexkursion auf Aserbaidschanisch

Vogelexkursion auf AserbaidschanischNachdem wir gestern tatsaelich das Buero gefunden haben – aehm, wir wurden von einem Mitarbeiter vom Bahnhof  abgeholt, wer weiss, wie lange wir sonst… Nun gut, interessanter Weise wurden wir dann von Dr. Elchin Sultanov gefragt, was wir eigentlich bei AOS (Azerbaijan Ornithological Society) machen wollen ??? weiterlesen… »

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