Ein Gemeinschaftsgarten im Brandenburgischen Viertel?
Wie in den meisten Plattenbau-Siedlungen der ehemaligen DDR, schrumpft die Bevölkerung im Brandenburgischen Viertel in Eberswalde ungebremst seit der Wende. Laut einer Sozialstudie leben dort von den ehemals über 13.000 Anwohnern nur noch knapp über 6.000 Personen. Das Viertel ist zudem gekennzeichnet durch einen überdurchschnittlich hohen Anteil an ALG II –Empfängern und wird allgemein als verwahrlost oder „sozialer Brennpunkt“ wahrgenommen. Denn nach der Wende ist hier ein Teufelskreis aus Leerstand, Abriss und weiterer sozialer Abgrenzung entstanden. Bei den Eberswaldern hat sich sogar der Begriff “Ghetto” für das Viertel etabliert, während die älteren Einwohner “Reimann-Viertel”, nach dem ehemaligen Namen Max Reimann-Viertel sagen. Eigentlich nennen es, meines Wissens, nur die Studierenden politisch korrekt BV.
Die Etablierung eines Gemeinschaftsgartens nach dem Vorbild der „Prinzessinnengärten“, dem Nachbarschaftsgarten “Rosa Rose e.V.” oder anderer Interkultureller Gärten, kann dabei zwar nur einen kleinen, aber vielleicht dennoch wichtigen Impuls für die Schaffung eines angenehmeren Wohnumfeldes geben. Im Brandenburgischen Viertel ist diese Idee konkret geworden durch eine Machbarkeitsstudie im Rahmen einer Masterarbeit im Studiengang “Global Change Management” an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) und der vielversprechenden Unterstützungszuagen seitens der Stadt und diverser Institutionen. Im Vordergrund der Gemeinschaftsgärten steht aber natürlich die Partizipation der Anwohner, denn sie gestalten, wirken mit und das Motto lautet: JEDER KANN MITMACHEN!
So könnten beispielsweise Kinder durch eine mögliche Zusammenarbeit mit der Grundschule Schwärzesee spielend lernen, wie Lebensmittel angebaut werden und in dem Garten einen neuen, selbstgestalteten Aktivitätsraum finden. Während Studierende der HNEE diese Möglichkeit für erste Erfahrungen in der Umweltbildung oder im ökologischen Anbau nutzen könnten. Wünschenswert ist auf jeden Fall ein reges Miteinander auf der Fläche mit allen Bewohnern, die mitmachen wollen, insbesondere auch Anwohnern mit Migrationshintergrund und älteren Menschen. Bisher haben vor allem Frauen mit russischen und kasachischen Wurzeln echtes Interesse an einem Gemeinschaftsgarten bekundet. Weitere positive Effekte des neuen Trends des „Urban Gardenings“ ist der regionale Anbau von eigenem Obst und Gemüse, ohne die negativen Folgen der intensiven Landwirtschaft, des immensen Flächenverbrauchs und weiter Transportwege.
Im Rahmen der Transition-Town-Initiative des Landkreises Barnim „wandelBar“ hat sich bereits eine Gruppe von Leuten zusammengefunden, die das Gartenprojekt im Weiteren Verlauf koordinieren und organisieren. Wer mitmachen möchte kann sich schon mal bei gemeinschaftsgarten@web.de melden .