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Landschaftsnutzung und Naturschutz

Tolerantes Baku?

Leider gibt es immer noch nichts positives über die Arbeit bei AOS zu berichten und da sich dieser Blog auch in gewisser Weise, der in Aserbaidschan üblichen Zensur zu unterziehen hat, gab es bislang nur Reiseberichte…. Aber da wir das letzte Wochenende auch nicht weggefahren sind und es auch sonst nichts zu berichten gibt, schon gar nichts vogeltechnisches (auch wenn wir uns in einer der interessantesten Länder für den Vogelzug befinden) sei die Frage erlaubt:  Was macht man eigentlich Freitagabend in Baku? Wir waren in einer Schwulenbar und das war nun wirklich mal interessant, denn dass es so etwas wie eine schwule oder alternative Szene überhaupt in Baku gibt, vom Rest des Landes ganz zu schweigen, hatte ich nicht wirklich erwartet. Ok, dass sich hier unsere ausländischen Freunde zu ihrer Homosexualität bekennen, ist nichts neues, ungewöhnliches oder berichtenswertes, aber dass es tatsächlich Aserbaidschaner gibt, die sich in diesem Land trauen, in aller Öffentlichkeit ihr “anders sein” zu feiern, macht Mut.

tolerantes Baku?Baku

Schliesslich reicht es in Aserbaidschan schon, ein Video über einen Esel zu drehen und einen regierungskritischen Blog zu schreiben, um zusammen geschlagen zu werden und anschliessend zu zwei Jahren Haft wegen “Rowdytum” verurteilt zu werden. Denn eigentlich gibt es im Land der übertriebenen Höflichkeit so gut wie keine Selbstreflexion, Kritik oder Zweifel, weder an der Regierung, noch an Aserbaidschan im Allgemeinen und erst recht nicht an sich selbst. Hauptsache alles ist schick, wie die Plätze, die Paläste, die neuen Hochhäuser, egal, ob die Infrastruktur auch entsprechend ausgebaut wurde oder die Kacke sprichwörtlich am dampfen ist, wenn es bei Regen aus allen Gullis läuft. Immer schön den Schein wahren, besonders als Frau, das heisst, nicht rauchen und trinken in der Öffentlichkeit, nach acht Uhr am besten gar nicht rausgehen.

Die Männer können sich gern in der Gegend rumtreiben und auch mehrere Geliebte haben, auch wenn sie Frau und Kind haben, das gehört anscheinend zur alltäglichen Doppelmoral in Aserbaidschan. Aber Hauptsache, Frau ist spätestens mit 23 Jahren verheiratet und hat Kinder, sonst gibt es nicht viele Ziele zu erreichen, arbeiten kann frau schliesslich auch zu Hause. Und welche Ziele gibt es für Männer? Na klar, ganz reich werden und ein dickes Auto fahren,  so einfach ist das! Jedenfalls gehen wir kaum weg in Baku, weil wir ständig angestarrt werden, als kämen wir von einem anderen Planeten und die Musik in den Kneipen so laut ist, dass man einen Gehörsturz bekommt. Und die anderen Frauen in den Kneipen sind  normalerweise nicht zu ihrem eigenen Vergnügen da. Nur im “Paul´s” kann man als Frau unbehelligt sein Bierchen trinken, aber dafür kostet es hier auch ein Vermögen und die Atmosphäre ist irgendwie zu deutsch – ??!

Es gibt das Crossroads, wo manchmal eine Band spielt, die ganz gut covert und tatsächlich zum tanzen einläd, aber niemand tanzt. Erst wenn die Band gegen eins aufhört zu spielen und die Musik vom Band läuft (R´n´B oder so etwas in der Art?) geht die Menge ab, aber uns kann diese Musik nicht auf die Tanzfläche locken, auch nicht mit viel Bier. Also sind wir meist bei Privatpartys der anderen Ausländer, hauptsächlich Norweger, Franzosen und US-Amerikaner. Aber manchmal entscheiden die sich auch, wegzugehen, also gingen wir mit. Zuerst waren wir in einer Kneipe, in der man zum Glück nicht um sein Gehör fürchten muss und danach in besagter Schwulenbar, die zum Glück noch nicht geschlossen wurde. Und hier war die Atomsphäre mehr als nett und entspannt, weil die Leute hier irgendwie nicht so prollig sind, man fühlte sich fast so wohl wie in Berlin. Einige Männer und Transvestiten haben ziemlich gut Karaoke und russische Lieder gesungen und wurden nicht müde zu betonen, dass sie schwul sind – und das ist auch gut so!

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