Reiten am Shadag und SUV fahren
Laut dem Lonely Planet und Trescher Reiseführer gehört eine Reittour im “Umfeld des Shadag-Massivs, dessen vergletschter Gipfel mit 4243 Metern der zweithöchste im Land ist… zu den Höhepunkten einer Reise nach Aserbaidschan“. Na das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen! Und weil die Bergdörfer nur mit einem Jeep zu erreichen sind, haben wir für die Tour ein Auto gemietet. Also einen Hyundai Tucson – ja, ich geb es zu, es ist ein SUV (Sport Utility Vehicle) und was hab ich über diese Autos geschimpft, aber einen Lada Niva auszuleihen ist halt auch bedeutend schwieriger hierzulande. Und ich muss sagen, dass ich nun die Aserbaidschaner mit ihrer Affinität zu SUV´s besser verstehen kann, denn diese Mischung aus Familienvan mit sehr viel Komfort und gleichzeitiger Geländegängigkeit macht in diesem Land durchaus Sinn. Und bei einem Benzinpreis von 60 Cent/Liter braucht sich auch niemand ernsthafte Gedanken ums Spritsparen zu machen. Man braucht auch einfach einen Jeep, wenn man Baku und die drei Hauptstrassen nach Norden, Westen und Süden verlassen will oder muss.


In den Bergdörfern stehen natürlich nach wie vor, vor jedem Haus Lada Nivas, aber ich denke, wenn die Leute mehr Geld hätten, würden sie auch lieber einen Toyota Land Cruiser Prado oder was auch immer fahren wollen. Nun gut, wir sind also mit dieser wuchtigen Riesenkarre zuerst nach Sumgayit gefahren, um Birgits Freund die verseuchteste Stadt der Welt zu zeigen, den “postindustriellen Albtraum” Aserbaidschans. Die verlassenen Fabrikanlagen sind ja wohl auch ein Highlight von Aserbaidschan, dass man gesehen haben muss. Nur leider sind wir in die Stadt eingebogen und an der Strandpromenade entlang gefahren, nicht wissend, dass man den besten Blick von der Hauptstrasse hat, so sind wir um die wirklich krassen Anblicke gekonnt drumherum gefahren.


Naja man kann nicht alles haben, das nächste Ziel waren die Candy Mountains und der Besh Barmag, bevor wir weiter Richtung Qusar und zu unserem wirklichen Ziel, dem “Königsberg” Shadag fuhren. Von Quasar führt ein 40 km langer Weg entlang des Qusarcay-Flusses zum Dorf Laza, das auf einer Höhe von 1850 Metern liegt. Der Weg dorthin ist schon ein kleines Off-Road-Abenteuer, zum Glück war es schon dunkel und so konnten wir nicht sehen, wie steil es neben dem Weg bergab ging. Dort angekommen fragten wir den erstbesten Herren, der alt genug aussah, um wahrscheinlich Russisch sprechen zu können. Und er bat uns auch gleich ein Zimmer für eine Übernachtung, Abendessen, Frühstück und Dusche für 50 Manat an.
Wir wussten, dass der Preis viel zu hoch ist, hatten aber keine Lust zu verhandeln. Dafür gab es nach meinen Geschmack das beste Essen, was ich jeh in Aserbaidschan zu mir nahm (Bratkartoffeln mit Bouletten) und eine kuschelig warme Stube. Er konnte uns auch drei Pferde für den nächsten Tag und seinen Sohn als Führer anbieten. Wenigstens haben wir den Preis für die Pferde von 100 auf 70 Manat runterhandeln können. Aber dafür hat auch alles reibungslos geklappt, die Dusche war morgens angeheizt, das Frühstück kam pünktlich und die Pferde standen tatsächlich um kurz nach neun bereit. Unser Guide ging zu Fuss, worüber ich mich erst gewundert habe, aber gut, er war auch bedeutend schneller als wir zu Pferd. Er führte uns auf einem schmalen, steinigen Weg noch höher in die Berge, über einen Kamm und ins nächste Dorf Sudur. Spannend fand ich vor allem, dass hier oben auf 2000 Meter Höhe nicht nur Heu für den Winter gewonnen wird, sondern auch Ackerbau, wenn auch auf kleinen Flächen betrieben wird.


In Sudur konnten wir bei einem Freund unseres Führers einkehren, Tee trinken, Brot und Dolma essen. Die Männer leerten noch zwei Wodkaflaschen, während wir draussen warteten und uns fragten, was die da eigentlich so lange machen. Wir wollten noch am selben Tag zurück nach Baku fahren und hatten es entsprechend etwas eilig. Aber bald ging es auch schon weiter bzw. zurück, denn leider sind wir auf dem gleichen Weg zurück geritten, was ich eigentlich gar nicht mag. Aber andererseits war ich auch so glücklich mal wieder auf einem Pferderücken zu sitzen und gleichzeitig ein grandioses Bergpanorama geniessen zu können, dass es mir relativ schnuppe war, wo wir langreiten. Also ich kann nur bestätigen, dass eine Reittour am Shadag ein absolutes Highlight ist. Ich hoffe, dass wir dort noch einmal hinkommen und besser etwas länger, damit wir auch mehr Zeit für Vogelbeobachtungen haben.