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Landschaftsnutzung und Naturschutz

Hajigabul und Sari Su

Wie wenig Vögel von den ästhetischen Ansprüchen des allgemeinen Naturliebhabers halten, der seine Beobachtungen am liebsten in der unberührten Natur erleben möchte, konnten wir gestern wieder am eigenen Leib erfahren. Nachdem wir schon einige interessante Vögel auf der landschaftlich wenig ansprechenden Halbinsel Artyom gesehen haben, sind wir gestern mit dem Jeep zum Hajigabul-See gefahren, der inmitten menschlicher Siedlungen liegt, aber immerhin ein Important Bird Area (IBA) ist.

Lake Hajigabul

Direkt an der Autobahn stehend, hat man einen guten Blick auf den See und es ist ja auch sehr praktisch, wenn man nur die Kofferraumklappe öffnen muss und das Spektiv am Straßenrand aufbauen kann.  Und wir wissen ja mittlerweile wie unaserbaidschanisch laufen ist! Aber hallo, dafür haben wir einen riesigen Schwarm Löffelenten, ca. 300 Flamingos, Krick- und Spießenten sowie Brand- und Rostgänse gesehen. Der Hajigabul und die angrenzenden Fischteiche liegen zwar inmitten eines Straßenkreuzes, dennoch haben die Flächen eine große Bedeutung  für rastende Zug- und Wintervögel, zum Beispiel für die seltene Weisskopfruderente. Früher gab es an diesem See wohl auch große Ansammlungen an Zwerg-, Grau-, Bläss- und Rothalsgänsen, deren Bestände jedoch in den letzten Jahren abgenommen haben. Die künstliche Unterbrechung der Wasserversorgung durch die Kura  sorgt dafür, dass der See schrumpft und die Zugvögel werden erheblich durch die Jagd gestört, die anscheinend in allen IBA´s  in Aserbaidschan üblich ist.  Oder man baut einfach ein Einkaufszentrum in den See, wie beim Red Lake, südwestlich von Baku, wo wir immerhin unsere ersten Weisskopf-Ruderenten gesehen haben.

Lake Sari Su

Weil wir weiter zum sehr viel natürlicheren See Sari Su wollten, haben wir am Hajigabul leider nicht so viel Zeit verbracht, wie man eigentlich sollte, angesichts der interessanten Vogelfauna. Ursprünglich wollten wir auch eigentlich zum Ag Göl, der gleichzeitig ein Nationalpark ist, schliesslich müssen wir ja noch unsere Nationalparktour vervollständigen, aber dort kommt man nicht so ohne Weiteres rein. Einlass wird einem wohl nur mit einer Sondergenehmigung gewährt und ich vermute mal, mit besonderen Verbindungen zur Regierung und einem Gewehr… Obwohl sich der Sari Su in nur etwa 50 km Entfernung vom Hajigabul befindet, brauchten wir noch über drei Stunden für die Anfahrt und Suche nach dem See. Es ging über Asphaltstrassen bzw. bessere Huckelpisten bis zur Stadt Saribabad, abenteuerlichen Brücken über die Kura, durch Dörfer und über Dämme, scheinbar bestehend aus Schlamm (blaue Linie stellt unseren Weg dar). Dabei hat sich übrigens der geliehene Opel Frontera meisterlich durch den Dreck gewühlt, eine gute Bodenfreiheit und vor allem einen geringen Spritverbrauch bewiesen.

Brücke über die KuraOpel Frontera off-road

Weil die Zeit aber schon derart fortgeschritten war, als wir am Sari Su ankamen und wir leider zurück nach Baku mussten, konnten wir nur einen kurzen Blick auf den See werfen. Es waren auch kaum interessante Vögel zu sehen, zumindest soweit wir das beurteilen konnten, da man wegen der natürlichen Schilfbestände den See nicht so leicht überblicken kann wie den Hajigabul, der so gut wie gar keinen Schilfgürtel hat. Naja und nicht zuletzt wegen der vielen Schüsse, die wir hörten, machten wir uns auf den Rückweg. Dieser See hat sicherlich eine Menge zu bieten, aber man braucht mehr Zeit, um ihn wirklich zu erkunden. Bei der Rückfahrt hielten wir noch einmal kurz am Hajigabul an und während die Sonne gerade unterging, standen die Flamingos zusammengedrängt im Wasser und spiegelten sich in der stillen Wasserfläche. Ansonsten möchte ich noch hinzufügen, dass der Autoverkehr weniger schlimm und chaotisch ist, als er aussieht. Die scheinbar rücksichtslosen Fahrer behandeln zwar ihre Autos wie ihre Pferde, soll heissen, die werden überall bei atemberaubenden Tempo durchgeprügelt, aber sie wollen ja auch selbst keine Beulen und so kamen wir wohlbehalten wieder in Baku an. Aber ich weiss jetzt auch, warum Ladas nur so kleine Schminkspiegel als Rückspiegel haben, sie werden ohnehin kaum benutzt, man guckt nicht nach hinten, man hupt einfach beim Ausscheren.

Aserbaidschans HuckelpistenTiertransport

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