FF-vita Blog

Landschaftsnutzung und Naturschutz

Archiv: November 2009

Hajigabul und Sari Su

Wie wenig Vögel von den ästhetischen Ansprüchen des allgemeinen Naturliebhabers halten, der seine Beobachtungen am liebsten in der unberührten Natur erleben möchte, konnten wir gestern wieder am eigenen Leib erfahren. Nachdem wir schon einige interessante Vögel auf der landschaftlich wenig ansprechenden Halbinsel Artyom gesehen haben, sind wir gestern mit dem Jeep zum Hajigabul-See gefahren, der inmitten menschlicher Siedlungen liegt, aber immerhin ein Important Bird Area (IBA) ist.

Lake Hajigabul

Direkt an der Autobahn stehend, hat man einen guten Blick auf den See und es ist ja auch sehr praktisch, wenn man nur die Kofferraumklappe öffnen muss und das Spektiv am Straßenrand aufbauen kann.  Und wir wissen ja mittlerweile wie unaserbaidschanisch laufen ist! weiterlesen… »

Tolerantes Baku?

Leider gibt es immer noch nichts positives über die Arbeit bei AOS zu berichten und da sich dieser Blog auch in gewisser Weise, der in Aserbaidschan üblichen Zensur zu unterziehen hat, gab es bislang nur Reiseberichte…. Aber da wir das letzte Wochenende auch nicht weggefahren sind und es auch sonst nichts zu berichten gibt, schon gar nichts vogeltechnisches (auch wenn wir uns in einer der interessantesten Länder für den Vogelzug befinden) sei die Frage erlaubt:  Was macht man eigentlich Freitagabend in Baku? Wir waren in einer Schwulenbar und das war nun wirklich mal interessant, denn dass es so etwas wie eine schwule oder alternative Szene überhaupt in Baku gibt, vom Rest des Landes ganz zu schweigen, hatte ich nicht wirklich erwartet. Ok, dass sich hier unsere ausländischen Freunde zu ihrer Homosexualität bekennen, ist nichts neues, ungewöhnliches oder berichtenswertes, aber dass es tatsächlich Aserbaidschaner gibt, die sich in diesem Land trauen, in aller Öffentlichkeit ihr “anders sein” zu feiern, macht Mut.

tolerantes Baku?Baku

Schliesslich reicht es in Aserbaidschan schon, ein Video über einen Esel zu drehen und einen regierungskritischen Blog zu schreiben, um zusammen geschlagen zu werden und anschliessend zu zwei Jahren Haft wegen “Rowdytum” verurteilt zu werden. Denn eigentlich gibt es im Land der übertriebenen Höflichkeit so gut wie keine Selbstreflexion, Kritik oder Zweifel, weder an der Regierung, noch an Aserbaidschan im Allgemeinen und erst recht nicht an sich selbst. weiterlesen… »

Karawanserei, Halva und der Khanpalast

Alle schwärmen von Sheki – ich auch. Das letzte Wochenende hat unsere WG wieder genutzt, um mehr von Aserbaidschan zu sehen und dem Moloch Baku zu entkommen. Das Gute ist, man kann mit dem Nachtzug nach Sheki fahren und dort mehr oder weniger ausgeschlafen ankommen, aber man muss sich frühzeitig um Tickets kümmern. Das haben wir getan und auch die zwei Manat Aufpreis für einen Schlafplatz im Coupé nicht gescheut. Leider kann man keine Rückfahrkarten kaufen, auch nicht an der Kasse bei der Ankunft in Sheki. So muss man also darauf vertrauen, irgendwie wieder nach Baku zurückzukommen, aber dazu später mehr – es ist schliesslich sehr unaserbaidschanisch im Voraus zu planen. Es ist übrigens auch sehr unaserbaidschanisch praktisch zu sein, in jeder Lebenslage und natürlich befindet sich der Bahnhof nicht etwa in der Stadt, sondern fünf Kilometer südlich entfernt. Also wird man bei seiner Ankunft von Taxifahrern umringt, die glauben, jeder halbwegs nach Touri aussehende Fahrgast ist dumm wie Brot und lässt sich völlig überteuert nach Sheki fahren. Wir haben uns für vier Manat nach Sheki bringen lassen und weitere Preiserhöhungs-Versuche seinerseits eiskalt abblitzen lassen.

ShekiKarawanserei Sheki

Dafür hat uns der etwas enttäuschte Fahrer bei einem Büro abgesetzt, bei dem man angeblich Rückfahrkarten kaufen kann. Aber natürlich war es noch geschlossen, es war schliesslich erst acht Uhr und wir konnten überhaupt froh sein, um diese Zeit schon Frühstück essen zu können – oder so etwas in der Art. In einer Bäckerei gab es, neben sehr süßen Speisen, nur Kakao, sehr süßen Kakao,  oder sollte ich besser sagen – dunkelbraunes Zuckerwasser? weiterlesen… »

Das große Blubbern

Eine weitere wichtige Sehenswürdigkeit in Aserbaidschan sind definitiv die Schlammvulkane bei Qobustan, die wir ja schon mal in Angriff genommen hatten, aber dann doch irgendwie in Sumgayit gelandet waren. Aber mit unserem Leihwagen sollte es nun kein Problem sein, zu dieser geologischen Besonderheit zu gelangen. Aber was sind überhaupt Schlammvulkane? Sie sind keine Vulkane im eigentlichen Sinne, sie speien vielmehr graue Blubber-Blasen, sind kühl und entstehen aus unterirdischen Gasvorkommen. Das Gas wird durch geologische Faltungsprozesse zusammengepresst und besteht zu mindestens 90 Prozent aus Methan. Es ist deshalb leicht entzündlich und so kann es auch mal vorkommen, dass die Schlammvulkane wie ihre Magma speienden Brüder, richtige Flammen in den Himmel schiessen lassen.

SchlammvulkanQobustan

Wir fuhren also nach Qobustan und gingen irgendwie davon aus, dass die Dinger leicht zu finden sind, wir hatten schliesslich eine Wegbeschreibung im Reiseführer und von einem Ortskundigen, da kann doch eigentlich nichts schief gehen – denkt man. Und obwohl es GPS-Koordinaten im Reiseführer gibt, haben wir das GPS-Gerät schlauer Weise in Baku gelassen, das wäre nun auch zu einfach und wenig aserbaidschanisch. Aber selbst damit hätten wir immer noch das Problem gehabt, einen befahrbaren Weg dorthin zu finden, denn das war das wirkliche Abenteuer.  weiterlesen… »

Reiten am Shadag und SUV fahren

Laut dem Lonely Planet und Trescher Reiseführer gehört eine Reittour im “Umfeld des Shadag-Massivs, dessen vergletschter Gipfel mit 4243 Metern der zweithöchste im Land ist… zu den Höhepunkten einer Reise nach Aserbaidschan“. Na das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen! Und weil die Bergdörfer nur mit einem Jeep zu erreichen sind, haben wir für die Tour ein Auto gemietet. Also einen Hyundai Tucson – ja, ich geb es zu, es ist ein SUV (Sport Utility Vehicle) und was hab ich über diese Autos geschimpft, aber einen Lada Niva auszuleihen ist halt auch bedeutend schwieriger hierzulande. Und ich muss sagen, dass ich nun die Aserbaidschaner mit ihrer Affinität zu SUV´s besser verstehen kann, denn diese Mischung aus Familienvan mit sehr viel Komfort und gleichzeitiger Geländegängigkeit macht in diesem Land durchaus Sinn. Und bei einem Benzinpreis von 60 Cent/Liter braucht sich auch niemand ernsthafte Gedanken ums Spritsparen zu machen. Man braucht auch einfach einen Jeep, wenn man Baku und die drei Hauptstrassen nach Norden, Westen und Süden verlassen will oder muss.

Reiten am ShadagHyundai Tucson

In den Bergdörfern stehen natürlich nach wie vor, vor jedem Haus Lada Nivas, aber ich denke, wenn die Leute mehr Geld hätten, würden sie auch lieber einen Toyota Land Cruiser Prado oder was auch immer fahren wollen.  Nun gut, wir sind also mit dieser wuchtigen Riesenkarre zuerst nach Sumgayit gefahren, um Birgits Freund die verseuchteste Stadt der Welt zu zeigen, den “postindustriellen Albtraum” Aserbaidschans. Die verlassenen Fabrikanlagen sind ja wohl auch ein Highlight von Aserbaidschan, dass man gesehen haben muss. weiterlesen… »

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