Unvorstellbar – ein Leben ohne Internet, also ohne Kontakt zur Außenwelt, ohne Rechner, ohne Musik und natürlich auch ohne Arbeit! Was macht man, wenn man morgens beim Kaffee als erstes Mails checkt, aber der Rechner die Hufe hochgerissen hat? Wenn man sich nicht in Arbeit stürzen kann? Wenn sich das ganze Leben auf diese Kiste mit DSL-Anschluss eingestellt hat? Wie soll man dann überhaupt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren können ohne bvg.de, ach wie findet man überhaupt Adressen ohne GoogleMaps? Wie kann man Leute anrufen, deren Telefonnummer nur Online verfügbar sind? Wie lädt man neue Musi auf den iPod? Seit einem Monat muss ich mir diese Fragen stellen, seit einem Monat hat mein Targa-Notebook keine Lust mehr hochzufahren. Ok, ganz sauber ist er nie gelaufen, hat oft gemuckt, hatte wohl zu wenig Arbeitsspeicher und musste sanft behandelt werden. Also beispielsweise nicht anfassen diese kleine Mimose, wenn er größere Daten zu verarbeiten hat oder noch nicht ganz hochgefahren ist. Dann hatte er diese gruselige Eigenschaft nach dem Runterfahren wieder eigenständig hochzufahren, also immer Strom im richtigen Moment ausschalten. Gut, das sind alles Sachen, mit denen man leben kann. Aber man ist doch ziemlich ratlos, wenn er gar nicht mehr hochfährt und nicht mal von der Installations-CD bootet. Inzwischen war er zweimal beim Hersteller und mehrere Male beim PC Spezialisten, aber niemand hat eine Lösung für das Problem und ich langsam keinen Nerv mehr für weitere Lösungsvorschläge. Ich werde den Eindruck nicht los, dass er mich verkackeiern will! Denn fahre ich mit ihm zum PC Spezialisten und er fährt einwandfrei hoch, ich fahre wieder nach Hause, er fährt NICHT hoch. Ich fahre wieder zum PC Spezialisten und er fährt mit einer Selbstverständlichkeit hoch, dass ich ihm gern mal das Fliegen beibringen möchte. Die denken doch, ich bin verrückt, völlig gaga oder in einer der jungen Männer dort verliebt. Also das bin ich NICHT! Ich möchte doch nur einen funktionierenden Computer – meine Herren. Ich möchte wieder mein Leben mit Internet zurück, eine eigenständiges, selbstbestimmtes Leben, ohne ständig zu Freunden fahren zu müssen, um dort “mal was am Rechner zu machen”. So wie jetzt grad: 2,5 Stunden Bahnfahrt für diesen Blogeintrag, das ist doch irgendwie tragisch, oder?
Es ist immer schmerzhaft, wenn ein guter Freund gehen muss. Es war deshalb mehr als seltsam mit Florians güldenem Opel Astra eine Woche zum ASA-Vorbereitungsseminar in die Rhön zu fahren – seine letzte Fahrt vor der Abwrackung. Klar, er ist nicht mehr der Jüngste, Baujahr 1998 mit 211.000 km auf dem Buckel, aber er fährt noch, ja er fährt noch! Und darauf kommt es doch an! Ok, die Scheibenwischer führen ein Eigenleben, ein Gurtstraffer ist hin, die Kühlung funktioniert nur mit hinreichendem Fahrtwind, das Lenkrad fängt bei 110 km/h an zu flattern, aber das hört bei 130 km/h auch wieder auf und er schnurrt dahin wie ein Kätzchen. Ich habe dieses Auto, was einfach zu Florian gehört hat, wie Bier zum Feierabend, immer gemocht wegen seiner robusten praktischen Art. Ich habe mich immer bemüht, Sprit sparend und fair zu fahren. Aber bei seiner letzten Fahrt musste er doch ganz schön getreten werden, was mir in der Seele weh tat. Mit fünf Leuten und Gepäck, die Wasserkuppe hoch zufahren, einem schneidigen BMW hinterher, der keine Rücksicht auf alte Opels nimmt, das war ganz schön hart. Wenn man in den Dritten runterschalten muss, mit dem Gaspedal das Bodenblech durchdrückend und er immer noch hinterher ächzt wie eine alte Oma, dann ist das irgendwie entwürdigend. Aber wenn man oben angekommen ist und er golden in der Sonne auf dem Parkplatz steht, neben all den jungschen Karren und beim Öffnen der Kofferraumklappe seine wahre Größe zeigt, dann ist man doch wieder stolz einen Opel Astra zu fahren. Auf der Rückfahrt haben wir uns leider am Kreuz Erfurt vertan und wollten dann als Abkürzung ein Stückchen Bundesstraße fahren, was sich aber als besserer Feldweg durch Kleckerdörfer mit Umleitung auf einer Strecke von 60 km herausgestellt hat. Naja da fühlt man sich verantwortlich für die verlorene Zeit der Mitfahrenden und so wurde der Astra erneut bei jeder sich bietenden Gelegenheit getreten – Oje. Für die knapp 500 km von der Wasserkuppe bei Fulda nach Potsdam haben wir sechs Stunden gebraucht, was bei der Strecke und den Widrigkeiten dann doch wieder ok ist. Naja, laut GoogleMaps braucht man vier Stunden, aber kommt es darauf an? Wir haben jedenfalls was von Thüringen gesehen und für den Opel war noch mal alles drin, Landstraße, Dörfer, Berge und Autobahn. Danke, alter Freund, auf das Du Deinen Weg ins Autonirvana gefunden hast.
Heute war mir danach einen alten Bekannten aus dem Studium wieder zu sehen, das Walpurgisbruch. Dieses stille Kleingewässer am Flugplatz Finow verspricht auch an einem sonnigen Samstagabend Ruhe und Einsamkeit. Bei einem Zigarettchen und einem Bierchen kann man dem Wind und dem Flöten des Pirols lauschen und die Seele baumeln lassen. Im letzten Jahrhundert war an der Stelle des heutigen Gewässers noch eine “nasse Wiese”, wovon sich der slawische Name Lug ableitet. Nachdem das “Walpurgislug” als Torfstich ausgediehnt hatte, wurde es als Karpfenteich genutzt, dieser wurde jedoch 1937 mit der Zwangsräumung einer nahe gelegenen Siedlung durch die Deutsche Luftwaffe aufgegeben. Nach 1945 wurde der Flugplatz von der Roten Armee übernommen und das Gewässer konnte sich am Rande des Sperrgebietes ungestört zu einem wertvollen Habitat für Libellen und Amphibien entwickeln. Aber auch auf dem Gelände des Flugplatzes sind einige interessante Kleingewässer durch den Aushub für die Tarnung der Shelter entstanden. Wie auf so vielen ehemaligen Truppenübungsplätzen hat sich auch hier eine bemerkenswerte Vielfalt an seltenen und bedrohten Arten eingestellt. Wer mehr wissen möchte über “Faunistische Besonderheiten am südlichen Randbereich des Flugplatzes Finow und am Walpurgisbruch” (Reichling 2006) kann sich darüber im Heft 3/2006 der Natur und Landschaftspflege in Brandenburg informieren.

Das Walpurgisbruch
Wir Naturfans wussten es schon lange, die Stromtrassen sind wahre Naturparadiese in der märkischen Kiefernforst-Einöde. Denn diese schnurgeraden und eigentlich nicht sehr schönen Lebensadern beherbegen eine interessante Tier- und Pflanzenwelt. Unter dem Titel “Eine Leitung fürs Leben” hat sich nun auch Die Zeit diesem Thema gewidmet. Die Hochspannungstrassen mögen aus menschlicher Sicht störend wirken, sie passen einfach nicht ins Bild einer Naturidylle, aber den Tieren und Pflanzen ist dieser ästhetische Aspekt relativ schnuppe. (Na gut, abgesehen von den Vögeln, die mit den Stromleitungen kollidieren und an Stromschlägen verenden, aber irgendwas ist ja immer.) Die Stromkonzerne bzw., die in ihrem Namen beauftragen Natur- oder Forstbehörden erhalten dennoch durch die ständige Freihaltung Lebensräume für Baumpieper, Heidelerche und Ziegenmelker. Und in Ermangelung großer freistehender Bäume hat sich der Fischadler an die Strommasten als Nistplatz gewöhnt, vielerorts unterstützt durch grobmaschige Körbe aus Stahl oder Eisen auf den Querträgern. Ähnlich dem “grünem Band” der ehemaligen innerdeutschen Grenze haben sich diese Flächen in unserer weitestgehend überdüngten Landschaft sehr speziell entwickeln können und erhalten somit an Nährstoffarmut angepasste, selten gewordene Arten. Rentierflechten, Silbergras, Heidekraut, Zypressenwolfsmilch, Pillensegge und Wacholder wachsen auf den sandigen Dünen und bieten widerum, an gehölzarme Offenlandstrukturen angepassten Insekten wie Feldgrille, Blauflügelige Ödlandschrecke und Spinnen wie der Röhrenspinne einen Lebensraum.
Ninett Hirsch,
5.06.2009, 19:12 | Abgelegt unter: Allgemeines | RSS 2.0 | TB | Tags: Baumpieper, Blauflügelige Ödlandschrecke, Feldgrille, Fischadler, Heidekraut, Heidelerche, Hochspannungstrassen, Röhrenspinne, Silbergras, Ziegenmelker | Keine Kommentare