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Landschaftsnutzung und Naturschutz

Was haben Sie studiert? Landschafts….und was?

Ich habe studiert und das in Eberswalde. In dieser kleinen, im Landkreis Barnim gelegenen Stadt in Brandenburg, etwa 50 Kilometer nordöstlich von Berlin gibt es eine kleine Hochschule (von den Einheimischen nur als “die Forst” bezeichnet), die einen bundesweit einzigartigen Studiengang anbietet:

Landschaftsnutzung und Naturschutz

Nach reichlicher Überlegung und umfangreichen Recherchen habe ich mich vor fünf Jahren dazu entschieden mich für diesen Diplomstudiengang zu bewerben. Die Zusage kam recht prompt und so zog ich aus dem fernen Sauerland nach Brandenburg um dort zum Wintersemester 2004 mein Studium zu beginnen. Natürlich hatte ich mich schon im Vorhinein über das Curiculum informiert und meine eigenen Vorstellungen dazu entwickelt, was denn nun genau Landschaftsnutzung und Naturschutz bedeuten könne. Im Laufe des Studiums kristallisierte sich nach und nach heraus, dass es ein wesentliches Ziel der Vorlesungveranstaltungen war möglichst breit gefächert von allem zu berichten, was man mit Landnutzungsformen und Naturschutz so assoziert.

Vielfach habe ich versucht meinen Freunden, meiner Familie, in Praktikastellen oder auch bei sonstigen fachlichen Gesprächen meinem Gegenüber genauer zu erklären, was ich da eigentlich genau studiere. Es war, ist und bleibt ein hoffnungsloses Unterfangen. Ohne näher darauf einzugehen, wo genau die Schwierigkeiten diesbezüglich liegen, möchte ich doch auf diesem Wege versuchen die Studieninhalte zu verdeutlichen.

Die wesentlichen Inhalte des Studiums sind interdisziplinär angelegt und überspannen von der Land- und Forstwirtschaft über den Ökologischen Landbau,die Landschaftsplanung, den Tourismus, die ländliche Entwicklung bis hin zu Kenntnisvermittlung über die Flora und Fauna alles, was man benötigt um die Landschaft im Gesamten begreifen zu können. Dem Grundsatz des Studienganges entsprechend “Mit der Natur für den Menschen”, werden auch soziale und ökonomische Aspekte der verschiedenen Landnutzungen vermittelt. Man erhält somit ein umfangreiches Handwerkszeug um naturschutzfachliche Probleme umfassend, realistisch und im Einklang mit sozioökonomischen und ökologischen Ansprüchen, konstruktiv zu bewältigen.

Da es jedoch kaum möglich ist in der Regelstudienzeit parallel Landschaftsplanung, Landwirtschaft, Zoologie, Forstwirtschaft und Betriebswirtschaft zu studieren, muss man sich den Vorwurf gefallen lassen, doch irgendwie dann “Alles und Nichts” zu können. Man kann es tatsächlich nicht verneinen, wenn darauf hingewiesen wird, dass doch ein Landwirt ein viel umfangreicheres Wissen um Feldfrüchte und landwirtschaftliche Arbeitsweisen hat. Auch hat ein Landschaftsplaner, ebenso wie ein Forstwirt oder der Wasserbauingenieur ganz sicher einen tiefergehenden Einblick in seine Materie als es ein Dipl.-Ing. (FH) für Landschaftsnutzung und Naturschutz hat.

Es wird jedoch schwer werden zum Beispiel einen Landschaftsplaner zu finden, der gleichzeitig zoologisch und floristisch geschult ist, Einblick in die Land- und Forstwirtschaft hat, den Bodenwasserhaushalt versteht und ökologisch-funktionale Zusammenhänge in der Landschaft erkennt. Hier kann der diplomierte Lanu auftrumpfen und davon profitieren, das Handwerkzeug zur vertieften Erarbeitung aller Bereiche bei sich zu haben.

Die Dekanin des Fachbereichs fand den meiner Meinung nach schönsten Vergleich für diesen, schon in direkter Eberswalder Umgebung  völlig unbekannten Studiengang. Sie hat ihn unlängst als den “akademischen Zehnkampf” bezeichnet und etwas überspitzt darauf hingewiesen, dass doch der Dipl.-Ing. (FH) für Landschaftsnutzung und Naturschutz der “Chef” sei, der den “richtigen” Wissenschaftlern sagt, was sie fachspezifisch erforschen sollen.

In diesem Sinne beende ich die Vorstellung an dieser Stelle. Die Ursachenforschung über die Unbekanntheit des Studienganges hebe ich mir für einen nächsten Artikel auf.

Nur noch etwas in eigener Sache:

Wenn jemand davon träumt eine eierlegende Wollmilchsau zu werden, dann möge er es mir gleich tun und Landschaftsnutzung und Naturschutz studieren.

1 Kommentar

  1. Ninett:

    Ich habe mich nicht eingehend mit dem Curiculum beschäftigt, sondern wurde magisch von dem Wort Naturschutz im Namen des Studienganges angezogen. Aber im Laufe des Studiums musste ich erkennen, dass man beim Naturschutz an der Landschaftsnutzung nicht vorbei kommt. Heute bin ich stolz darauf ein Lanu und Universaldilettant zu sein. Denn es ermöglicht einem die großen Zusammenhänge zu verstehen und vor allem das menschliche Handeln einzubeziehen. Ohne ein weltfremder Öki zu werden, gibt einem das Studium das Handwerkszeug sich in die komplexen Einflussfaktoren auf unsere Natur und Landschaft einzuarbeiten. Auch wenn es manchmal deprimierend war, eben kein Fachmann für etwas so tolles wie Landwirt, Forstwirt, Botaniker oder Zoologe zu werden. Dennoch freue ich mich heute über diesen interdisziplinären Ansatz, der einem stete Weiterbildung abverlangt und immer wieder neue Erkenntnisse zulässt. Am Ende fügt man kleine Puzzleteile zusammen und freut sich über die gewonnenen Einblicke.

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