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Landschaftsnutzung und Naturschutz

Österreich und der Greifvogelschutz

In dem aktuellen Nabu-Newsletter wird auf einen derart offensichtlichen Verstoß gegen die EU-Vogelschutzrichtlinie hingewiesen, dass ich dem Inhalt zunächst selbst kaum Glauben schenken konnte. Es heißt darin, dass es bei unseren österreichischen Nachbarn kurz vor Weihnachten zu einem Erlass gekommen ist, der es den Jägern erlaubt innerhalb der nächsten fünf Jahre 1000 Bussarde und 250 Habichte abzuschiessen. Um die eilige Umsetzung des Erlasses noch zu untermalen, sollen bereits bis zum 31. Januar 200 Bussarde und 50 Habichte vom Himmel geholt werden. Natürlich kann man jetzt denken ” Ja haben die denn noch alle Germknödel an der Waffel?!”, aber selbstverständlich! Man kann diese Frage nur mit einem klaren JA beantworten.

Während in den meisten europäischen Ländern noch fieberhaft daran geforscht wird, wie geschützten Arten nachhaltig ihr Lebensraum gesichert werden kann und was denn nun die Hauptfaktoren für den Artenrückgang in der Kulturlandschaft sind, ist man in Österreich bereits einen Schritt weiter. Mit einer schier unglaublichen Selbstsicherheit und einer an Kühnheit grenzenden Ignoranz ist man dort den wahren Schuldigen auf die Schliche gekommen, hat sie gestellt und in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Hört sich nach Inquisition an, ist aber so. Die dortige Landesregierung scheint davon überzeugt zu sein, dass sich Habichte und Mäusebussarde in ihrer tiefsitzenden Boshaftigkeit, getrieben von allerhand krimineller Energie zusammengerottet haben um gemeinsam ein möglichst breites Spektrum bedrohter und somit geschützter Tierarten zu vernichten.

Den Delinquenten wird vorgeworfen sich insbesondere an den streng geschützten Arten wie Laubfrosch, Brachpieper oder Smaragdeidechse zu verlustieren, ohne sich dabei an die im menschlichen Dasein tief verwurzelten Werte wie Nachhaltigkeit im Handeln oder den respektvollen und lebensbejaenden Umgang mit allen Arten zu orientieren. “Pfui deibel” und “Kruzifixnochamoal” kann man da nur sagen. Denen geschieht es doch gerade recht so! Vom Himmel mit ihnen!…..

Ach wie schön müsste das Leben doch sein, wenn nur alles so einfach wäre. Natürlich muss man Stimmen gelten lassen, die da sagen “Ja aber jagen Habichte nicht eher und häufiger durchaus größere Singvögel als den Brachpieper?” oder “Ist denn die größte Besiedlung mit Mäusebussarden nicht entlang viel befahrener Straßen, weil Aas in der Regel ihre Leibspeise ist?”. Ja klar muss man sie gelten lassen…..aber anhören muss man sie ja wohl nicht. Wo kämen wir denn hin, wenn man einer politischen Entscheidung über das Leben oder Sterben von 1250 Greifvögeln noch die Betrachtung wissenschaftlicher Fakten vorschalten müsste. Das macht doch alles nur unnötig komplizierter.

Auch die Tourismusbranche wird es der Landesregierung danken. Wie freue ich mich schon auf meinen nächsten Österreichurlaub. Im Gegensatz zu Deutschland bin ich dort dann nicht mehr gezwungen den Greifvögeln nur bei ihrer ewigen Kreiserei am Himmel oder der eleganten Beutejagd zuzusehen. Nein, die Naturbeobachtung wird um einen lottoesken Aspekt erweitert, wenn auf den Knall der Fall folgt.

Nun bleiben zunächst nur noch zwei Sachen zu sagen. Erstens hoffe ich, dass die österreichischen Jäger in der Lage sind zwischen Mäuse-, Wespen-, Rauhfuss- und Haumichblaubussard und anderen extrem seltenen und streng geschützten Greifvögeln zu unterscheiden und zweitens natürlich, dass die EU schnell und hart reagiert um dem Erlass einen Riegel vorzuschieben.

2 Kommentare

  1. Ninett:

    Greifvögel sind erst der Anfang!
    Ich denke Vögel am Himmel sollten generell verboten werden und wenn sie sich nicht an die Flug- und Jagdverbote halten wollen, müssen sie eben mit letalen Folgen rechnen. Sie stören nicht nur den Flugverkehr von Airbus & co., bedrohen streng geschützte Arten wie Laubfrosch und Brachpieper, sondern sie richten auch wirtschaftliche Schäden an. Deshalb sollte man beispielsweie nicht zögern, endlich alle Kormorane zu vergrämen, abzuschiessen oder besser auszurotten, denn letzlich kommen sie immer wieder. Ja wer würde denn diese schwarzen Vögel auch vermissen? Und wenn man schon dabei ist, sollten auch alle Kolkraben vernichtet werden, schliesslich sind kleine, unschuldige Lämmer ihre Leibspeise, wie die Bild zu berichten wusste. Wenn dann alle Störenfriede am Himmel beseitigt sind, haben wir endlich einen stummen Frühling und können uns anderen Schädlingen und lästigen Erdenbewohnern zuwenden. Die komplette Inquisition der Arten sollte nicht länger durch Schutzrichtlinien und endlose Naturschutzdebatten aufgehalten werden. Dann steht auch der nachhaltigen Lebensraumsicherung des Menschen nichts mehr im Wege. In diesem Sinne Halali!

  2. Ninett:

    Die Vogeljäger auf Malta machen es den Österreichern vor!
    Nach dem Klageverfahren der EU Kommission vor einem Jahr gegen die Vogeljagd auf Malta, entfiel zwar erstmals die traditionelle Frühjahrsjagd auf Wachteln und Turteltauben, aber dafür wurden nun umso mehr Vögel vom Himmel geholt. Sich auf einem Schlafplatz eingefundener Rohrweihen wurden unter Scheinwerferbeleuchtung gewildert. Laut NABU und BirdLife Malta hat sich die illegale Vogeljagd um 70% gegenüber 2007 erhöht und insbesondere die Zahl der Abschüsse geschützter Vögel verdoppelt. Neben Schwarzstörchen und Wespenbussarden macht man auf Malta auch vor einem in Deutschland streng geschütztem und sehr seltenen Schreiadler nicht halt. Da kann man also in punkto vogelfreiem Himmel noch sehr viel lernen.

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